Die Sorben – Ein slawisches Volk in Deutschland

Eingestellt am Sonntag 13 September 2009

Ein slawisches Volk, mit eigener Sprache mitten in Deutschland? Zweisprachige Orts- und Strassenschilder? In Teilen Mitteldeutschland sicher bekannt, in anderen Teilen der Republik wohl eher weniger. Hier also ein kleiner Artikel über dieses doch sehr tradtionsbewußte Völkchen mitten in Deutschland.

Die Sorben (obersorb. Serbja, niedersorb. Serby, im Deutschen auch oft als Wenden bezeichnet) sind ein Volk was den westslawischen Völkern im Siedlungsgebiet Germania Slavica enstammt. Seit dem späten 6. Jahrhundert und im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in die Gebiete der sog. Germania Slavica ein. Dabei wurden in der Zeit um 600 und in der ersten Hälfte des 7. Jh. zunächst die Gebiete entlang der Elbe und unteren Saale aufgesiedelt. Ab dem Ende des 7. Jh. und verstärkt im 8. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung der nördlich davon liegenden Regionen bis zur Ostsee. Ab 1150 – 1300 a.y.p.s. erfolgte die Besiedlung durch fränkische, flämische, thüringische und sächsische Bauern im Gebiet der Lausitz.

Die Sorben sind heute hauptsächlich in der Ober- und Niederlausitz, also in Gebieten Sachsens und Brandenburgs ansässig. Vorallem der Spreewald (niedersorb. Błóta) dürfte hier aufgrund seiner Kultur und gelebten Traditionen, deutschlandweit ein Begriff sein.

Die sorbische Sprache gehört zur indogermanischen Sprachfamilie. Das Sorbische wird unterschieden in Obersorbisch (Hornjoserbšćina) und Niedersorbisch (Dolnoserbšćina), wobei das Obersorbische dem Tschechischen und das akut vom Austerben bedrohte Niedersorbische dem Polnischen näher steht.  Der Name der sächsischen Landeshauptstadt – Dresden – hat beispielsweise seinen Ursprung im Sorbischen.  Er leitet sich vom alt-sorbischen Wort Dreždany (Sumpf- oder Auwaldbewohner) ab.

Nach Schätzungen sorbischer Institutionen gibt es heute 20.000 – 30.000 aktive Sprecher der sorbischen Sprache, anderen Hochrechnungen zufolge hat das Niedersorbische noch 7.000 aktive Sprecher und das Obersorbische etwa 15.000. Insgesamt umfasst das slawische Volk etwa 60.000 Menschen, die neben dem südlichen Brandenburg vor allem in der Oberlausitz in Sachsen siedeln – auf einem Gebiet von etwa 100 Kilometern Länge und 40 Kilometern Breite, zu beiden Seiten der Spree. Davon leben etwa zwei Drittel in der sächsischen Oberlausitz (besonders im Gebiet zwischen Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz), die übrigen in der brandenburgischen Niederlausitz (zwischen Senftenberg im Süden und Lübben im Norden).

Neben zweisprachigen Orts- und Strassenschildern gibt es auch eine Menge an sorbischen Medien. Neben rein sorbischsprachigen Medien strahlen z.B. auch die TV-Sender RBB und MDR sorbischsprachige Sendungen aus, u.a. auch das Sandmännchen. Lied und Hymne der Sorben ist das Lied Rjana Łužica (Schöne Lausitz).

Zum Schutz und Erhalt der sorbischen Sprache und Traditionen gibt es eine Anzahl von Vereinen und Programmen. Ebenfalls ist es den Sorben – nach § 184 des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes – erlaubt in ihren Heimatkreisen vor Gericht Sorbisch zu sprechen.

Die meisten Sorben sind heute christlich-katholischer Konfession. Ende des 1. Jahrtausends a.y.p.s. wurden die bis dahin heidnischen, westslawischen Stämme mit Gewalt christianisiert. Trotzdem haben sich bis heute; im Kern heidnische Bräuche wie Ostern, Vogelhochzeit oder Eierschieben im von den Sorben praktizierten Christentum erhalten.

Trachten, Sprache, Kultur und Tradition der Sorben werden heute meist zur “Folklore” degradiert. Auch wenn insbesondere die sorbische Sprache vom Austerben bedroht ist; in den ländlichen Gebieten werden Tradition und Kultur immer noch praktiziert und durch ein Jahrhunderte altes, indentitäres Bewußtsein dieses kleinen slawischen Volkes mitten in Deutschland, weiter am Leben erhalten. Schaut euch einfach mal ein wenig auf Portalen wie Youtube um, hier findet ihr eigenes an Material von sorbischen Festen und Feierlichkeiten.

Hoffen wir also, daß uns die sorbische Tradition und Kultur erhalten bleibt. Selbige ist seit Jahrhunderten eng mit uns verbunden und prägte eine großen Landstrich Mitteldeutschlands. Prächtige Trachten, reich verzierte Ostereier, Spreewald, Lausitz: Das alles sind jedem Deutschen bekannte Sachen. Vergessen wir nicht woher sie kamen, wer sie prägte und bis heute erhalten hat!

Doch nicht nur Kultur und Tradition behielten sich die Sorben. Hatten die Sorben das Glück im Herzen Europas quasi in  einem relativen Isolat zu leben, waren andere slawische Völker – insbesondere in den europäischen und russischen Randregionen – über Jahrhunderte hinweg dem Eindringen nicht-europider Völkermassen ausgesetzt. So findet man beispielweise in bestimmten Teilen Russlands vorderasiatische Einschläge, in anderen Randregionen Kontinentaleuropas osmanische Einschläge.  Diese Mischungen, die in benannten Regionen mal mehr mal weniger häufig vorzufinden sind, werden heute allgemein mit einem “typischen Slawentum” assoziiert, haben aber mit dem ursprünglichen Slawen an sich nicht mehr allzu viel gemein. Hier sei natürlich bemerkt, daß es in typisch slawischen Siedlungsgebieten wie Osteuropa oder Russland durchaus noch europäische und ur-slawische Bevölkerungsteile, in nicht geringem Umfang gibt!

Die Sorben der Lausitz hingegen waren diesen Umständen, in einem quasi-Isolat lebend, nicht ausgesetzt und erhielten so bis heute, neben Tradition und Kultur auch ihr europäisches / ur-slawisches genetisches Erbe.

Identitärer Studentenblock Berlin